Warum der neue (portable) DAT-Rekorder noch keine gute Demoaufnahme bringt

Die Werbung ist vielversprechend: Profi-Aufnahmen zum Einsteigerpreis. CD Qualität mit einem tragbaren Rekorder für wenige hundert Mark. Aber wer es probiert wird enttäuscht: Die Aufnahme klingt irgendwie flach, rauschen tut sie auch, vielleicht ist sie sogar verzerrt, und mit einer kommerziellen CD ist sie ganz sicher nicht zu vergleichen.

Die Schwachstelle solcher DAT- oder Minidisk Rekorder ist meistens in erster Linie der Mikrofonvorverstärker und das Mikrofon. Obwohl die digitale Technik heute theoretisch höchste Klangqualität ohne hörbares Rauschen für wenig Geld erlaubt, ist man bei Mikrofonaufnahmen auf eine Mikrofonvorverstärkung angewiesen, und hier werden aus Preisgründen in "Consumer" Geräten minderwertige Vorstufen verbaut. Das ist durchaus sinnvoll, würde doch der Preis eines solchen DAT-Gerätes um ein Vielfaches höher liegen, würde man einen professionellen Vorverstärker einbauen. Für die gelegentliche Selbskontrolle reicht die Qualität durchaus. Im Studio wird dagegen ohnehin ein Mischpult oder ein externer Vorverstärker eingesetzt. Jeder Tonmeister hat hier, wie bei den Mikrofonen, seine eigenen Vorlieben.

Das Hauptschproblem jeder "preiswerten" Aufnahmeanlage ist jedoch immer das oder die Mikrofon(e). Die mit portablen DAT- oder Minidisk-Rekordern verkauften Stereomikrofone für einige hundert Mark können grundsätzlich nicht mit Studiomikrofonen mithalten. Gute Studiomikrofone kosten leicht viele tausend Mark. Solche Mikrofone lassen sich zudem an den Mikrofoneingängen der meisten tragbaren Rekorder gar nicht betreiben, da diese die benötigte Betriebsspannung für Kondensatormikrofone ("Phantomspeisung") nicht zur Verfügung stellen. Auch sind diese Eingänge der Rekorder "unsymmetrisch" geschaltet, was Kabellängen über wenige Meter verbietet und generell zu Störeinstrahlungen führt. Erst "symmetrische" Verbindungen zwischen Mikrofon und Verstärker erlauben große Kabellängen, und damit die Platzierung des Rekorders außerhalb des Aufnahmeraumes.

Ein weiteres Problem dieser Stereomikrofone ist die prinzipbedingte Anordnung der beiden Kapseln direkt übereinander, der sogenannten "XY-Stereophonie". Zwar gibt es durchaus Situationen, in denen eine solche Anordnung von Vorteil ist (besonders bei der Aufnahme von einzelnen Instrumenten), aber für Ensembles ist meist ein Aufnahmeverfahren vorzuziehen, bei dem die beiden Hauptmikrofone einen kleinen bis mittleren Abstand haben, da hierdurch ein größeres räumliches Klangbild ermöglicht wird.

Grundsätzlich kann man sagen, daß Stereomikrofone um 300 Mark zwar erheblich besser sind als die in HIFI-Märkten häufig angebotenen Mikrofone unter 100 Mark, daß aber für professionelle Mikrofone selbst im günstigsten Fall noch 3000 Mark die Minimalgrenze ist. Nach oben gibt es fast keine Grenzen.

 

Warum ein teures Popmusik-Studio noch keine gute Aufnahme von klassischer Musik bringt

Auch und gerade in der Pop- und Unterhaltungsmusik werden heute meist extrem teure Geräteparks verwendet. Allerdings ist die Aufnahmestrategie fast immer eine völlig andere. Sofern überhaupt akustische Instrumente aufgenommen werden, so geschieht dies meist als "Close-up-Recording", d. h. die Mikrofone werden möglichst nah am Instrument plaziert. Die einzelnen Instrumente werden überwiegend einzeln aufgenommen, eins nach dem anderen. Von der Aufnahmeakustik soll dabei möglichst wenig zu hören sein. Am Ende werden diese einzeln aufgenommenen Spuren abgemischt und mit künstlichem Hall und allerlei anderen Effekten veredelt. Erst bei der Abmischung entsteht die Räumlichkeit.

Ein solches Verfahren ist für klassische Musik fast immer ungeeignet. Hier will man ja gerade den räumlichen Eindruck möglichst natürlich und originalgetreu einfangen. Deshalb werden klassische Aufnahmen fast immer mit einem Stereo-Hauptmikrofon realisiert, welches den überwiegenden Teil der Gesamtaufnahme liefert. Stützmikrofone haben lediglich die Aufgabe, Balance-Probleme zu beheben, und leise Instrumente dezent zu verstärken. Je mehr jedoch mit Hilfe von Stützmikrofonen einzelne Instrumente oder Gruppen hervorgehoben werden, um so unnatürlicher und verfälschter wird der Gesamtklang. Hier ist in jedem Fall das Fingerspitzengefühl des Tonmeisters entscheidend.

So sind meistens die Mikrofone der Popmusik, obwohl ebenfalls sehr teuer, nicht ideal für klassische Musik. Während letztere möglichst verfärbungsfrei und neutral aufzeichnen sollten, haben Mikrofone für Popmusik häufig eine gewollte Klangcharakteristik, verfälschen also das Klangbild.