Berlin, den 26.
September 2008
Wieder entdeckt und in einer Weltersteinspielung:
Streichquartette von Jan Ladislav Dussek
mit dem Camesina Quartett
200 Jahre lagen sie unbeachtet in Bibliotheken, jetzt hat das CAMESINA QUARTETT aus Berlin sie wiederentdeckt und für das Label Musikmanufaktur Berlin eingespielt. Dussek hatte diese Streichquartette 1806 komponiert, kurz bevor sein Freund und Arbeitgeber, Prinz Louis Ferdinand von Preußen, in der Schlacht bei Saalfeld fiel. "Sie sind das Beste, was ich geschrieben habe, und weder im Stile Mozarts, Haydns noch Pleyels, sondern im Stile Dusseks, und ich denke, dass sie einige Beachtung in der Musikwelt finden werden. Ich will, daß sie seiner königlichen Hoheit, dem Prinzen Louis von Preußen gewidmet werden, mit welchem ich mich augenblicklich in der Armee gegen die Franzosen befinde"
schrieb
Dussek wenige Tage vor dem Tode des Prinzen. Die Quartette sind in der
Tat in Dusseks ganz eigenem Stil gehalten, der zwischen Klassik und
Romantik steht und in vielem seiner Zeit weit voraus ist. Man findet
hier bereits die Wurzeln der Berliner Romantik Mendelssohns und eine
reiche Harmonik, die auf Schumann und Brahms hinweist. Die Quartette
dürften eine wichtige Entdeckung für das
Streichquartett-Repertoire
darstellen. Der Aufnahme vorausgegangen ist eine mühselige
Editionsarbeit des Camesina Quartetts, um aus den vorhandenen Quellen
einen fehlerfreien Notentext zu erarbeiten. Die CD mit Dusseks drei
Streichquartetten op. 60 wird voraussichtlich im Februar 2009
erscheinen, Im Vertrieb JA KLA/AL!VE AG.
Jan Ladislav Dussek
3 Streichquartette op. 60
Camesina Quartett
auf Originalinstrumenten
Johannes Gebauer & Karen Walthinsen,
Violine
Irina Alexandrowna, Viola
Martin
Burkhardt, Violoncello
Label: Musikmanufaktur Berlin
www.musikmanufaktur.com
Das Camesina Quartett
Streichquartett auf Originalinstrumenten
Es war ein gemeinsames Anliegen der Mitglieder des 2007
gegründeten
Camesina Quartett, wieder ein wenig mehr Purismus zu wagen. Wo andere,
vergleichbare Ensembles längst wieder moderne Spieltechnik und
Spielhilfen verwenden, und das Etikett "historische
Aufführungspraxis"
allein durch die Verwendung von Darmsaiten rechtfertigen, versucht das
Camesina Quartett dem Originalklang durch Quellenkenntnis und
historisch korrekte Anwendung, aber auch durch ständiges in Frage
stellen und Pioniergeist so nahe wie möglich zu kommen, ohne sich
nur
an zweifelhaftem Zeitgeschmack zu orientieren.
Bereits im ersten Jahr seines Bestehens folgte das Camesina Quartett
einer Einladung in die Tschechische Republik, wo es u.a. beim
Haydn-Festival Lukavice/Pilsen aufgetreten ist.
Der Name Camesina Quartett beruft sich auf das Camesina-Haus, in dem W.
A. Mozart von 1784 bis 1787 wohnte, und in dem er Joseph Haydn die ihm
gewidmeten Streichquartette zum ersten Mal vorspielte. In dieser
Wohnung sind vermutlich auch die berühmten Quartett-Partys
veranstaltet
worden, in denen Joseph Haydn (1. Violine),
Carl Ditters von Dittersdorf (2. Violine), Wolfgang Amadeus Mozart
(Viola) und Jan Vanhal (Violoncello) gemeinsam musizierten.
Das Haus ist nach dem Stuckateur Alberto Camesina benannt, dem das Haus
zeitweise gehörte, und der es mit einer barocken Stuckdecke
verzierte,
unter der Mozart vermutlich sein Arbeitszimmer eingerichtet hatte, und
in dem er einige seiner größten Werke, darunter die 6 Haydn
gewidmeten
Streichquartette, niederschrieb.