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Johann Stamitz Christoph Willibald Gluck Sinfonie a tre Johann Stamitz (1717-1757): Trio (Sinfonia) in g-moll op. 4 Nr. 5 Christoph Willibald Gluck (1714-1787): "Symphonia" in E-Dur Johann Stamitz: Trio (Sinfonia) in c-moll op. 4 Nr. 3 Christoph Willibald Gluck: Trio in F-Dur Camerata Berolinensis Johannes Gebauer, Violine I; Fiona Stevens, ViolineII Leitung: Johannes Gebauer Gesamtspielzeit: 63:59 Aufnahmedatum Oktober 2002, Erscheinungsdatum Mai 2003 |
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Aus dem Text des Beiheftes der CD:
...Die Umbrüche, die vom musikalischen Barock zur Wiener Klassik leiteten, waren vielleicht die radikalsten und umfassendsten, die es bis dahin in der Musikgeschichte gegeben hatte. Sie sind um ein Vielfaches radikaler als etwa die von der Renaissance zur Barockzeit. Waren die Letzteren vor allem eine Evolution, bei der bestimmte Stile sich durchsetzten und zur Norm wurden, erfolgt mit Ende der barocken Ära eine Art Neubeginn, der schnell zu völlig neuen Kompositionsprinzipien führt, die wiederum eine erstaunlich lange "Lebensdauer", mindestens bis zum Ende des 19. Jahrhunderts hatten. ...
...Die beiden Trios in c-moll und g-moll zeigen eine für die Zeit ungewöhnlich reiche harmonische und motivische Arbeit, gepaart mit dem für Stamitz typischen Temperament. Sie können kaum noch als oberflächliche Werke des Rokoko gelten, vielmehr ist hier ein Vorgeschmack auf "Sturm und Drang" der mittleren Sinfonien Haydns zu spüren. Beide stellen sicherlich auf gewisse Weise die höchste Vollendung der frühen Mannheimer Sinfonik dar. Einerseits verzichtet Stamitz auf allzu formelhafte Verwendung der sogenannten Mannheimer Manieren. Andererseits werden die Vorzüge des Mannheimer Stils extreme Gegensätze, spannungsvolle Crescendo-Passagen und ein unerschöpflicher "Drive" mit einer ausgereiften, satzübergreifenden gro§en Form und vollendet beherrschter Harmonik kombiniert.
Die Durchführungen der Ecksätze weisen bereits komplexe harmonische und motivische Arbeit auf, wie man sie nicht unbedingt erwarten würde. Gerade im letzten Satz des c-moll Trios hat die Durchführung fast Haydnsche Züge. Die Reprisen verzichten auf eine komplette Wiederholung des ersten Themas typisch für Stamitz.
Auch in den langsamen Sätzen, die den perfekten Gegensatz zu den vorwärtsdrängenden Ecksätzen bieten, zeigt sich die Genialität des Komponisten Stamitz. Allein die zeitliche Länge, besonders im g-moll Trio ist überraschend. Dabei kommt nie "Leerlauf" auf; die Anlage des Satzes wird bereits mit dem ersten, zwölftaktigen Thema vorgegeben und der große Bogen spannt sich perfekt. Der Satz ist von einer anmutigen Schönheit und erinnert an Arien von Mozart. ...
...Das in der Handschrift als Symphonia betitelte Werk in E-dur gehört wie die Trios von Stamitz zum Typus der Sinfonie a tre, und könnte durchaus die Eingangssinfonie einer unbekannten Oper gewesen sein. Ein Kompositionsdatum läßt sich wohl nicht mehr feststellen, es ist jedoch zu vermuten, daß dieses Werk um 1750 entstanden ist. Beeindruckend ist vor allem die reiche Harmonik des Mittelsatzes, der von zwei spritzigen und unkonventionellen Ecksätzen umrahmt wird. Nichts erinnert in diesem Werk mehr an barocke Konventionen; abgesehen von der Besetzung, hat dieses Werk wenig mit Triosonaten (etwa von Händel oder Telemann) gemein. An die Stelle der durchgehenden Polyphonie tritt die harmonische und motivische Polarisation und das ständige Spiel mit gegensätzlicher Dynamik. Die Sonatenformen der Ecksätze weisen bereits alle Merkmale der späteren hochklassischen Form auf, einschließlich vollständiger Reprisen beider Themen. In diesem Punkt geht Gluck bereits einen Schritt weiter als Stamitz, obwohl seine Durchführungen nicht so komplex sind. Das Prinzip des "durchbrochenen Stils" der Wiener Klassik wird hier bereits sehr deutlich verwendet, Melodien werden kaum von einem Instrument in ihrer Ganzheit vorgetragen, vielmehr entstehen sie erst durch die ständige Abwechslung, Kontrastierung und Kombination der Violinen.
Das Trio in F-dur setzt sich von den anderen Werken dieser CD etwas ab. Es weist einerseits am ehestens noch Merkmale der Triosonatenform auf (Abwechslung der Führungsrolle in den Oberstimmen, Continuocharakter der Bassstimme), andererseits zeigt es schon deutlich in Richtung frühe Wiener Klassik die zweisätzige Form, bestehend aus einem mäßig schnellen Kopfsatz und einem Satz im Menuett-Tempo findet sich auch bei Haydn, an den dieses Werk auch in Thematik und Anlage der Sätze ein wenig erinnert. Es ist auch nicht auszuschließen, daß es sich hierbei eigentlich um ein Streichtrio handelt, allerdings ist das Werk nur in handschriftlichen Sammlungen mit Triosonaten erhalten. Wir haben uns daher entschieden, es mit Continuo-Cembalo aufzuführen. ...
Der komplette Text von Johannes Gebauer im Beiheft der CD (16 Seiten, deutsch und englisch).